Mathematisch- Naturwissenschaftliches Gymnasium Rämibühl | Rämistrasse 58 | 8001 Zürich
Geschichte
Grundlagen- und Ergänzungsfach
1. Bildungsziel und Richtziele
Beschäftigung mit Geschichte bedeutet Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, immer aber auch mit der eigenen Gegenwart, mit dem Menschen als Gemeinschafts- und Einzelwesen sowie mit der Bedingtheit menschlichen Lebens durch Zeit und Raum. Die Schülerinnen und Schüler sollen dazu angeregt werden, den wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen in Vergangenheit und Gegenwart nachzuspüren. Aus ihren Beobachtungen sollen sie eine Vorstellung von den möglichen und tatsächlichen historischen Zusammenhängen gewinnen, die geschichtliche Verwurzelung unserer geistigen und materiellen Welt erkennen, Komplexität, Möglichkeiten und Grenzen gesamtgesellschaftlicher und individueller Handlungsspielräume besser abschätzen lernen sowie ein Bewusstsein für die Verantwortung entwickeln, die wir als Individuen, im Beruf und als Staatsbürger oder Staatsbürgerin gegenüber uns selbst, unseren Nächsten und der Gemeinschaft besitzen. Dementsprechend kommt dem Geschichtsunterricht im Rahmen des gymnasialen Fächerkanons eine integrative Funktion zu.
Durch die Konfrontation mit Kultur- und Lebensformen, die uns durch ihre räumliche oder zeitliche Ferne fremd sind, sollen den Schülerinnen und Schülern die Vielfalt menschlicher Daseinsformen gezeigt werden, damit sie Wesen und Mythen der eigenen Zeit besser erfassen und kritisch betrachten können sowie Verständnis und Wertschätzung für andere Kulturen entwickeln.
Die Auseinandersetzung mit Geschichte verlangt und fördert ein historisches Orientierungswissen wie auch die Fähigkeit, Quellen aufzuspüren, den Informationsgehalt verschiedenster Überlieferungsformen zu erkennen, Informationen kritisch aufzuarbeiten und sich ein eigenes Urteil zu bilden, das überzeugend formuliert und vertreten werden kann. Der Geschichtsunterricht leistet sowohl einen Beitrag zur intellektuellen Schulung der Jugendlichen als auch zu ihrer Erziehung zu kritischen Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen, die in einem pluralistischen, demokratischen Staatswesen ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen können.
2. Grobziele
Grundlagenfach
Ziele
Um Entwicklung und Wandel der europäischen bzw. westlichen Zivilisation sichtbar zu machen, ist der Lehrgang im Grundsatz chronologisch aufgebaut und umfasst den Zeitraum zwischen dem späten Mittelalter und der Gegenwart. Einzelne Aspekte der früheren Epochen werden in Form von Rückblicken an thematisch geeigneter Stelle behandelt. Wo dies sinnvoll erscheint, kann der chronologische Rahmen durchbrochen werden, um die Entwicklung eines Phänomens oder die Geschichte eines Landes (z.B. der Schweiz) über längere Zeit (auch vorausblickend) zu verfolgen, historische Vergleiche anzustellen, Bezüge zur Gegenwart zu schaffen und auch um die Geschichte aussereuropäischer Kulturen gebührend zu würdigen.
1. Klasse
Inhalte
Einführung in die Geschichte
-Fragestellungen und Methoden der Geschichtswissenschaft
-Übersicht über die Epochen der europäischen Geschichte
Als Voraussetzung für das Verständnis der europäischen Geschichte werden folgende Themen der antiken und mittelalterlichen Geschichte behandelt:
-Hellenisierung und Romanisierung der Mittelmeerwelt
-Ursprünge und Entwicklung des Christentums und der christlichen Kirche
-Zerfall der kulturellen und politischen Einheit des Mittelmeerraums im Gefolge von
-Völkerwanderung und islamischer Expansion
-Ursprünge und Entwicklung des Islams und der islamischen Welt
-Funktionieren der Feudalgesellschaft
Spätmittelalter unter Berücksichtigung der Ursprünge kapitalistischer Wirtschaftsformen in der mittelalterlichen Stadt und der Anfänge des Territorialstaats.
Renaissance unter Einschluss kunstgeschichtlicher Aspekte.
Voraussetzungen, Verlauf und Folgen der Entdeckungen. Kolonialismus.
Reformation und Gegenreformation ausgehend von der Situation der spätmittelalterlichen Kirche.
Zeitalter des Absolutismus.
3. und 4. Klasse
Inhalte
Zweitägige Exkursion mit kulturgeschichtlichem Schwerpunkt.
Zeitalter der Aufklärung unter Berücksichtigung der Entwicklung der Regierungssysteme auf dem europäischen Kontinent (aufgeklärter Absolutismus), in England (parlamentarische Monarchie) und den USA (republikanischer Verfassungsstaat).
Französische Revolution, napoleonische Ära und Wiener Kongress.
Industrialisierung und Soziale Frage.
Die wichtigsten politischen Strömungen des 19. Jh., d.h.: Konservatismus, Liberalismus, Nationalismus, Sozialismus (mit Marxismus).
Die Entstehung neuer Nationalstaaten in Europa.
Voraussetzungen, Verlauf und Folgen des Imperialismus.
Ursachen und Konsequenzen des Ersten Weltkriegs.
Die russische Revolution und die Entwicklung Russlands vom Zarenreich zur GUS. Weltwirtschaftskrise. Die Entwicklung faschistischer Diktaturen im westlichen Europa.
Hintergründe und Folgen des Zweiten Weltkriegs.
Die Einrichtungen der Pax americana. Europäische Spaltung und Formierung der Machtblöcke in Europa. Europäische Integration. Internationale Politik zwischen Konfrontation und Entspannung. Krisen und Untergang des Ostblocks. Die Dekolonisation und ihre Begleitkonflikte. Entwicklung und Unterentwicklung.
Trends und Konflikte der Gegenwart.
Staatskunde
Staatskundliche Fragen werden während des gesamten Geschichtsunterrichts angesprochen. Im Staatskundekurs sollen insbesondere Kenntnis und Bewusstsein der historischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und institutionellen Grundlagen des modernen schweizerischen Bundesstaats vermittelt werden. Anhand aktueller Beispiele können Schülerinnen und Schüler Einblick erhalten in politische Entscheidungsprozesse und sensibilisiert werden für die zentralen innen- und aussenpolitischen Fragen der Gegenwart und der Zukunft.
Als Ergänzung zum Staatskundekurs besteht die Möglichkeit klassenübergreifende staatsbürgerliche Tage zu gesellschaftlichen und politischen Fragen durchzuführen. Um Vielschichtigkeit, kontroverse Beurteilung und praktisches Funktionieren gesellschaftlicher und politischer Prozesse deutlich werden zu lassen, können im Rahmen der staatsbürgerlichen Tage Kollegen anderer Fachbereiche, auswärtige Fachleute sowie Institutionen und Exponenten des öffentlichen Lebens beigezogen werden.
Geschichte als Ergänzungsfach
Ziele
Im Ergänzungsfach erhalten historisch besonders interessierte Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, ihre Sachkenntnis und ihr methodisches Können weiter zu entwickeln. Mehr noch als im Grundlagenunterricht wird deshalb Wert gelegt auf selbständige Schülerarbeit. Während eines Teils der zur Verfügung stehenden Zeit arbeiten die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen an eigenen Projekten (Literatur- oder Feldarbeit) arbeiten, deren Gegenstand im Zusammenhang mit den im Ergänzungsfach behandelten Themen steht.
Inhalte
Im Rahmen des Ergänzungsfachs werden Themen aus folgenden vier Grossbereichen vertieft behandelt:
Aussereuropäische Geschichte:
z.B. Entstehung und Entwicklung der chinesischen Kultur, Wirtschaftswunder in Fernost, ethnische Konflikte in Afrika, Geschichte der Apartheid in Südafrika, Diktatur und Demokratie in Mittel- und Lateinamerika.
Geistes-, Technik- und Kunstgeschichte:
z.B. neue Technologien und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, Architektur und Technik, Architektur als gebaute Idee, Ideologien und Utopien, Religion und Wirtschaft, Begegnung und Umgang des Menschen mit der Natur, Begegnung mit dem Fremden.
Geschichte des alltäglichen und privaten Lebens:
z.B. Männer- und Frauenrollen, Formen des Wohnens, Essen und Trinken im Laufe der Zeit, Umgang mit Gesundheit, Krankheit und Tod, Jugend und Alter, Minderheiten und Aussenseiter und Aussenseiterinnen.
Aktuelle Fragen:
Diskussion und historische Aufarbeitung aktueller politischer und gesellschaftlicher Fragen.
Die Gewichtung der vier Bereiche ist Sache des Kursleiters oder der Kursleiterin.
