Französisch

1. Bildungsziele

Im Fach Französisch werden die Schülerinnen und Schüler mit einer für sie anderen Realität, der französischsprachigen Welt, vertraut gemacht. Sie sind bereit, sich dieser neuen Erfahrung zu öffnen, sich auf sie einzulassen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Dabei nehmen sie ihre eigene Sprache und Denkart bewusster wahr, hinterfragen Gemeinsamkeiten und Unterschiede und entwickeln eine tolerante Haltung. Das Erreichen dieses Zieles setzt gründliche Kenntnisse der französischen Sprache und der frankophonen Kultur voraus. Durch Kommunikation und Begegnung über die Sprachgrenze hinaus leistet das Französische einen wichtigen staatspolitischen Beitrag.

2. Richtziele

Grundfertigkeiten

Die Schülerinnen und Schüler pflegen längere verbale Kontakte und wenden so den erworbenen Wortschatz in unterschiedlichen Situationen an.
Sie wissen zu fragen und zu antworten, können Gehörtes, Gelesenes weitergeben und erläutern und sind in der Lage, über Erfahrenes zu berichten oder Erfundenes zu erzählen.
Sie argumentieren und beziehen Stellung zu persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen, setzen sich mündlich und schriftlich mit Lebensfragen auseinander.
Sie verstehen muttersprachliche Sprecherinnen und Sprecher in verschiedenen Situationen nicht nur global, sondern entnehmen ihren Äusserungen die zum tieferen Verständnis notwendigen Informationen.
Sie verstehen auch differenziert geschriebene Texte, können diese umschreiben, vereinfachen und analysieren.
Sie unterscheiden Sprachregister, erkennen wichtige stilistische Elemente und sind in der Lage, ästhetische Werte literarischen Schaffens wahrzunehmen.
Sie verfassen möglichst verschiedenartige Texte: Zusammenfassungen, Berichte, Protokolle, Briefe, Aufsätze, Semesterarbeiten.
Sie beschaffen sich Informationen zum Sprachgebrauch und zum kulturellen Wissen in Nachschlagewerken und/oder von elektronischen Datenträgern.

Grundkenntnisse

Die Schülerinnen und Schüler beherrschen die Grundregeln der gesprochenen und geschriebenen Sprache und verfügen über Kenntnisse der idiomatischen Eigenheiten der französischen Sprache.
Sie kennen wesentliche Aspekte der Geschichte, Literatur und Kultur der franzö-sischsprachigen Welt.
Grundhaltungen
Die Schülerinnen und Schüler streben sowohl mündlich wie schriftlich einen angemessenen Ausdruck an. Sie sind bereit, sich im Gespräch auf verschiedene Personen und Situationen einzustellen und sich mit Selbstvertrauen in Französisch auszudrücken.
Sie zeigen Interesse an der französischsprachigen Welt, insbesondere auch an der Kultur und Denkweise der Westschweiz und sind bereit, Kontakte über die Sprachgrenzen hinweg zu pflegen.
Sie sind offen, sich auf den verschiedenen Ebenen mündlich und schriftlich mit Gegenwart und Vergangenheit der französischen Kultur auseinander zu setzen.
Sie sind offen, die französische Sprache sowohl zweckgebunden, als auch kreativ zu benützen.
Sie sind bereit, im direkten Kontakt mit der französischen Sprache (mündlich und schriftlich) ihre Kenntnisse zu erweitern.

3. Grobziele und Lerninhalte

Die ersten zwei Jahre des Französischunterrichts bilden eine Einheit. Sie dienen der Weiterführung, Festigung und Vervollkommnung der Grundkenntnisse und dem methodischen Ausbau des Grundwortschatzes.

1. und 2. Klasse

Sprachbeherrschung

Die Schülerinnen und Schüler lernen verstehen, sprechen, lesen und schreiben durch viele und abwechslungsreiche Aktivitäten, welche im Unterricht gepflegt und gefördert werden. Nachstehend sind solche Aktivitäten zu den einzelnen Fertigkeiten aufgelistet.

Hörverstehen

Übungen zum Hörverstehen ausgehend von kleinen Lehrbuchtexten, später auch von didaktisch aufbereiteten Hörtexten wie Hörspiele und Kurzgeschichten.
Verstehen kurzer authentischer Sequenzen ab Fernsehen und Radio.
Verstehen längerer authentischer Hörtexte ab Kassetten oder Videos, welche dem sprachlichen Niveau der Klasse entsprechen.

Sprechen

Persönliche und situationsgerechte Fragen stellen und solche beantworten können. Über den Verlauf eines Ereignisses berichten.
Gezielte Schulung der Aussprache, der Intonation und des Sprachflusses. Übungen zur Sicherheit beim freien Sprechen (Rollenspiele mit typischen Alltagssituationen).
Wiedergabe und Analyse von gehörten und gelesenen Texten.
Kurzpräsentationen zu einfacheren Themen.
Lesen
Pflege des korrekten Lesens (Intonation, Rhythmus) mittels Texten im Lehrbuch und einfachen oder vereinfachten Originaltexten.
Schreiben
Übungen zur lehrbuchbedingten Grammatik bzw. zum Wortschatz.
Zusammenfassen von Lese- und Hörtexten.
Erstellen eigener Dialoge.
Ausdrücken eigener Gedanken, z.B. Weiterführen eines Lehrbuchtextes, Schreiben von Briefen aller Art, von kurzen Aufsätzen, Geschichten, Werbetexten etc.
Grammatik
In den ersten beiden Jahren wird die Grundgrammatik behandelt und vertieft. Nach Abschluss der Mittelstufe sollten die Schülerinnen und Schüler vertraut sein mit dem richtigen Gebrauch
- des Artikels, aller Pronomen, des Adjektivs und des Adverbs
- der Morphologie der gebräuchlichsten Verben.
- der Zeiten des Indikativs (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)
- des Konjunktivs und des Konditionals
- der indirekten Rede
- der Übereinstimmungsregeln
- der wichtigsten Präpositionen der Zeit und des Ortes
- der gebräuchlichsten Konjunktionen
Wortschatz
Der aktive Wortschatz wird kontinuierlich gefestigt und erweitert durch:
- Anwendung in Übungen zu den vier Grundfertigkeiten.
- Übungen und Spielen zum Wortschatz (Wortfamilien, Wortfelder, Wortbildung).
- systematisches Erlernen eines klassenübergreifenden Grundwortschatzes.
Literatur und Kulturgeschichte
Vermittlung von landeskundlichen Informationen zu Geographie, Geschichte, Kunstgeschichte, Städtebau, Brauchtum und Wirtschaft.
Schulung der Lesefertigkeit und des Verständnisses von vereinfachten oder einfachen Zeugnissen der französischen Kultur (Gedichte, kurzen Erzähltexte, Bildgeschichten, Chansons, Filme).

 

3. und 4. Klasse

Sprachbeherrschung

Die Schülerinnen und Schüler lernen verstehen, sprechen, lesen und schreiben durch viele und abwechslungsreiche Aktivitäten, welche im Unterricht gepflegt und gefördert werden, unter anderem, indem in der 3. Klasse Konversationsunterricht von einer Lehrkraft mit Muttersprache Französisch erteilt wird. Nachstehend sind solche Aktivitäten zu den einzelnen Fertigkeiten aufgelistet.

Hörverstehen

Übungen mit und an anspruchsvollen authentischen Hörtexten: dem Stand der Klasse entsprechende Dokumente mit aktuellem Inhalt aus Radio und Fernsehen (Nachrichten, Reportagen, Berichte, Diskussionen).
Arbeit mit und an Filmen.
Chansons, Sketches.
Sprechen
Weiterführung und Vertiefung der für die Mittelstufe aufgeführten Lerninhalte.
Dazu:
- Übungen zum freien Mitteilen von Gedanken, Ansichten und Gefühlen
- Gespräche über aktuelle Themen
- Diskussionen über mündliche oder schriftliche Dokumente (Lektüre, Zeitungsartikel, Film, usw.)
- Referieren, argumentieren, überzeugen, Gespräche leiten.
- Gebrauch der Sprache für kreative Aktivitäten im Unterricht (szenisches Umsetzen von Texten, Erfinden, Weiterentwickeln von Geschichten, Simulationen)
- Förderung der Spontaneität beim Sprechen und der Reaktion auf ungewohnte
- Situationen
Lesen
Korrektes Vorlesen von Textausschnitten
Einführung in die Technik des globalen Lesens
Lektüre von französischsprachiger Literatur (auszugsweise, integral)
Lesen von Artikeln aus Zeitungen und Zeitschriften
Schreiben

 

 

Übungen zu Grammatik und Stil
Übungen zur Pflege der sprachlichen Korrektheit und des präzisen Ausdrucks
Übersetzungen mit dem Zweck der Festigung von Wortschatz und grammatikalischen Strukturen
Arbeit an Texten (Verstehen, Zusammenfassen, Bewerten, Ergänzen)
Verfassen von Texten verschiedener Art
Erarbeiten einiger Formalitäten zum Verfassen von Briefen (privaten, "geschäftlichen" Inhalts, Briefe an Behörden)
Grammatik
Durch Repetieren wird die Grundgrammatik gefestigt.
Die Kenntnisse können nun vertieft bzw. differenziert werden.
Die Pflege des komplexen Satzgefüges wird der Schülerin und dem Schüler helfen, Gedanken und Gefühle differenziert und klar auszudrücken.
Wortschatz
Vertiefung der Aktivitäten der Mittelstufe.

Dazu:

- Arbeit mit Wörterbüchern.
- Erweiterung und Vertiefung des Wortschatzes durch Anwendung beim Lesen,
- Hören, Schreiben und Sprechen
- Projektarbeit: z.B. selbständiges Erarbeiten von themenbezogenem lexikalischem Material

Literatur und Kulturgeschichte

Vermittlung landeskundlicher Informationen aus Zeitungen, Zeitschriften etc.
Lektüre literarischer Werke, die im Sinne exemplarischen Lernens das Verständnis für Kultur und Geschichte der französischsprachigen Gemeinschaften fördern.
Gelegentlicher Einbezug der bildenden Künste und der Musik
Auseinandersetzung mit Filmen

4. Methodisch-didaktische Ziele des Französischunterrichts

Angestrebt werden direkte Kontakte mit der französischsprachigen Welt in Form von Schüleraustausch mit Partnerschulen in der französischsprachigen Schweiz, Korrespondenz mit frankophonen Klassen, gemeinsamen Arbeitswochen oder Exkursionen.

Lehrerinnen und Lehrer pflegen eine Vielfalt von Unterrichtsformen und Unterrichtsmethoden: Ateliers, Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Individualunterricht (z.B. Tagebuch oder Literaturjournal). Sie gewichten die verschiedenen Unterrichtsformen und wechseln diese je nach Bedarf.

Der Französischunterricht ist immer auch fächerübergreifender Unterricht. Elemente aus Philosophie, Kunst, Geschichte, Geographie, Naturkunde und Wirtschaft finden darin Eingang. In Arbeits-, Projektwochen, fächerübergreifendem Blockunterricht werden Kenntnisse vernetzt.