Bildnerisches Gestalten

Grundlagen- und Ergänzungsfach

1. Bildungsziele

Bildnerisches Gestalten setzt sich mit Sehen und Sichtbarmachen auseinander. Es ist eine Form der Kommunikation.

Der Unterricht in Bildnerischem Gestalten sensibilisiert die Jugendlichen für ästhetische Fragen und führt zu einer kritischen Haltung im visuellen und gestalterischen Bereich.

Zentrales Anliegen ist es, den Schülerinnen und Schülern Zugang und Vertrauen in die persönliche vielfältige Erlebniswelt zu verschaffen. Im Erfahren der Unverwechselbarkeit und der Qualitäten des eigenen bildnerischen Ausdrucks können sie ihre individuellen gestalterischen Möglichkeiten erweitern, vertiefen und verfeinern. Die Entwicklung einer differenzierten Wahrnehmungs- und Vorstellungsfähigkeit bildet dafür eine Grundlage. Parallel dazu werden die Jugendlichen auf den Ebenen des Inhaltlich-Erzählerischen, des Formal-Ästhetischen und des Handwerklich-Technischen zu Erfindungen angeregt. Es wird Verständnis geweckt für künstlerische Arbeit als ein Tätigwerden aus eigenem Antrieb ohne Auftrag und vorbestimmte Normen.

Die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit visueller Kultur (Kunst, Kunstgeschichte, Medien, Umweltgestaltung und Architektur) fördert ein kritisches Urteilsvermögen gegenüber Problemen, Theorien und Haltungen des Wahrnehmens und Gestaltens und ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, an den aktuellen Diskussionen teilzunehmen.

2. Richtziele

Grundkenntnisse

Schülerinnen und Schüler kennen

  •  die wichtigen bildnerischen Techniken und Gestaltungsmittel
  •  die grundlegenden Begriffe einer fachspezifischen Terminologie
  •  die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung, Vorstellung und Gestaltung
  • konstruktive, impressive und expressive Gestaltungsprozesse, Methoden und Konzepte für die Bildfindung nach eigenen Gestaltungsideen
  •  geschichtliche und aktuelle Erscheinungen, Zusammenhänge und Hintergründe visueller Kultur (Kunst, Design, Medien, Umweltgestaltung und Architektur)

 Grundfertigkeiten 

Schülerinnen und Schüler können

  • Form, Farbe, Raum und ihre komplexen gegenseitigen Beziehungen differenziert wahrnehmen
  • Phantasien und Gefühle als innere Bilder wahrnehmen und bildnerisch umsetzen, eigene und fremde Gestaltungsideen und -konzepte reflektieren und weiterentwickeln
  • Gestaltungsmittel (Techniken, Materialien und Medien) für ihre Gestaltungsabsichten sinnvoll einsetzen
  • Erscheinungsformen der visuellen Kultur analysieren und deuten

Grundhaltungen

Schülerinnen und Schüler

  •  gehen mit Phantasie, Humor, Geduld und Konzentration an eine bildnerische Fragestellung
  •  gestalten mit Ausdauer, Risikobereitschaft und Experimentierfreude
  • erleben die bildnerische Tätigkeit als einen Prozess, der analytisches und intuitives Denken, Fühlen und Empfinden mit einschliesst
  •  sind neugierig gegenüber den eigenen kreativen Möglichkeiten und tolerant gegenüber den bildnerischen Äusserungen anderer
  • entwickeln Sensibilität für Materialqualitäten und gehen mit Werkstoffen und Werkzeugen angemessen um
  •  begegnen Werken der bildenden Kunst und allen weiteren Produkten der visuellen Kultur vorurteilslos und kritisch

3. Grobziele

Vorbemerkung: Lehrerinnen und Lehrer sind in Unterrichtsaufbau und Wahl ihrer Methoden frei. Sie können ihren Stoffplan den Fähigkeiten und Interessen der jeweiligen Klassen anpassen. Die nachstehenden Teilbereiche sollen aber mindestens einmal im Laufe eines Unterrichtsjahres behandelt werden.

  • Theoretische Grundlagen
  • Graphik (Zeichnerische Techniken, Drucktechniken, Schrift)
  • Malerei
  • Dreidimensionale Gestaltung (Plastik, Skulptur, Objekt, Raumgestaltung)
  • Fotografie und Neue Medien

Bildnerisches Gestalten im Grundlagenbereich

 Zentrales Anliegen im Grundlagenbereich ist das Entdecken, Aktivieren und Weiterentwickeln des bildnerischen Schaffens. Die Schülerinnen und Schüler lernen Besonderheit und Qualitäten ihrer persönlichen gestalterischen Arbeit kennen und in Bezug setzen zur visuellen Kultur der Gegenwart und der Vergangenheit.

1. Klasse

Ziele

Neugier, Intuition und Experimentierfreude ermöglichen das Entstehen von vielfältigen persönlichen Bildvorstellungen, für deren Realisierung Beharrlichkeit und Offenheit für Unerwartetes wichtige Voraussetzungen sind. Diesen Grundhaltungen gilt im ersten Jahr besondere Aufmerksamkeit. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den Grundlagen im Bereich der zweidimensionalen, der dreidimensionalen und der medialen Gestaltung auseinander und erlangen dadurch mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die eigenen gestalterischen Fähigkeiten.

Inhalte

  • Themenbezogenes Gestalten aus der Vorstellung und nach der Anschauung.
  • Differenziertes Wahrnehmen und Umsetzen innerer Bilder.
  • Sensibilisierung für die bildnerischen Mittel des Zweidimensionalen: Linie, Fläche, Struktur, Tonwert, Farbe
  • elementare Farbenlehre
  • Erproben verschiedenster bildnerischer Techniken (Tusche, Kohle, Gouache, Collage, einfache Drucktechniken etc.)
  •  Kennenlernen raumschaffender Mittel (Proportion, Schichtung/Staffelung, Parallelperspektive etc.)
  • Einführung in die bildnerischen Mittel des Dreidimensionalen: Grösse, Volumen, Gewicht, Ausdehnung im Raum
  • Erfahren der sinnlichen und funktionalen Eigenschaften verschiedener Materialien (Ton, Gips, Holz, Stein, Kunststoffe)
  •  Bildbetrachtung. Exemplarische Auseinandersetzung mit Werken bildender Kunst.

2. Klasse

Ziele

Das zweite Jahr ist geprägt durch die Auseinandersetzung mit neuen gestalterischen Fragen (Präzisierung im Bildhaften, Komposition, Probleme der Raumdarstellung, Abbildungsrealität versus Bildrealität etc.). Bei verstärkter Gewichtung von Theorie und begrifflichem Instrumentarium lernen die Schülerinnen und Schüler zunehmend bewusster mit den bildnerischen Mitteln umzugehen und erproben verschiedenartige künstlerische Methoden und Strategien. Sie suchen mit wachsender Selbständigkeit nach adäquaten Darstellungsmitteln und lernen so den bildnerischen Ausdruck als eigenwertige Kommunikationsform kennen und einsetzen. Ausserdem wird durch den Einbezug zeitgenössischer bildnerischer Produktion und neuer Medien ein neuer Anstoss zu einer persönlichen Bildsprache gegeben.

Inhalte

  • differenzierendes Umsetzen nach der Anschauung
  • Systeme der Raumdarstellung: Zentralperspektive, ihre kunst- und geistes- geschichtliche Bedeutung
  • Aspekte der Farbe: Lokalfarbe / Erscheinungsfarbe / symbolische Farbe / autonome Farbe
  • formale Beziehungen (Gleichgewicht, Dynamik, Rhythmus, Bildaufbau)
  • grundlegende gestalterische Verfahren: Reduktion, Steigerung, Verfremdung, Abstraktion etc.
  • verschiedene künstlerische Methoden und Strategien: prozesshaftes Arbeiten, konzeptuelle und aleatorische Ansätze
  • Einführung in ein Reproduktionsverfahren: Schablone, Kopie, Hoch-, Tief-, Siebdruck, etc.
  • Einführung in Fotografie und Schwarz/Weiss-Labortechnik
  • verschiedene Formen dreidimensional-räumlicher Gestaltung: Relief, Assemblage, Objekt, Plastik, Installation, Architekturmodell
  • Entwicklungen der bildenden Kunst und Architektur im 20. Jahrhundert. Ausstellungsbesuche
  • Analyse von Bildsprachen der Alltagsmedien (Printmedien, Comics, Werbung, TV, etc.)
  • Relativität der Wahrnehmung (physiologisch, psychologisch und kulturell bedingte Aspekte) 

3. Klasse

Ziele

Der Unterricht in Bildnerischem Gestalten findet in zwei wählbaren Quartalskursen von je zwei Wochenstunden statt. Diese Kurse dienen der Vertiefung in ein Gebiet, das bisher nicht, oder nicht in dieser Form, behandelt werden konnte. In der Regel handelt es sich um Gebiete, die material- und zeitintensiv oder technisch aufwendig sind.

Die Schülerinnen und Schüler lernen in diesen Kursen, sich in eine noch unbekannte künstlerische Technik oder Methode hineinzufinden und darin eine Arbeit zu konzipieren und zu realisieren. 

Beispiele von möglichen Quartalskursen:

 Architektur: Auseinandersetzung mit Aspekten der Architektur unseres Jahrhunderts (Moderne, Postmoderne, Gegenwart). Bearbeiten eines konkreten Projekts: Entwurf, Riss, Modell. Aktuelle Architekturwettbewerbe, Ausstellungen und Besichtigungen.

Video: filmische Grundprinzipien: Zeit / Raum / Bewegung / Licht / Einstellungsgrössen /Kamerabewegungen / Cadrage / Découpage / Schnitt / Montage. Handhabung eines Camcorders. Arbeiten am Schnittplatz. Filmskizze. Eigenes kleines Projekt.

Design: Analyse eines Gebrauchsgegenstandes. Material, Form, Konstruktion und Funktion. Gestalterische und gesellschaftliche Fragen der Produktgestaltung. Industrielle Bedingungen der Serienproduktion. Erfahrungen im Entwerfen und Realisierung einer eigenen Idee.

weitere Gebiete:

  • Dreidimensionales Gestalten
  • Typografie
  • digitale Bilderzeugung und -bearbeitung
  • Animation/Trickfilm
  • fotografische Spezialgebiete

Ergänzungsfach

Das Ergänzungsfach baut auf dem Grundlagenfach auf. Durch die vertiefte Auseinandersetzung mit Fragen der Kunstgeschichte und Kunsttheorie, mit begleitenden praktischen Übungen werden die Voraussetzungen für ein eigenes Gestaltungsprojekt geschaffen. Theoretische Erkenntnis und gestalterischer Prozess stehen dabei in enger Wechselwirkung. Der Unterricht unterstützt gezielt persönliche Gestaltungsanliegen, wobei er zunehmend ein grösseres Mass an Initiative und Selbstverantwortung verlangt.

  • Eigene Arbeitstexte und Gestaltungsaufgaben u.a. in den Bereichen: 
  • Malerei und Plastik (Impressiv - expressiv - konzeptuell - intuitive Tendenzen)
  • Architektur - Produktegestaltung (Geschichte und Theorie)
  • Zeichensprache der neuen Medien
  • Kunst und Gesellschaft, Umweltgestaltung